15. November 2018

Unisex

Unisex-Tarife – Bedeutung und Konsequenzen für Versicherte

Nach Auffassung des Europäischen Gerichtshofs darf das Geschlecht eines Versicherten nicht mehr als Risikofaktor zur Berechnung der Beiträge herangezogen werden. Geschlechtsspezifische Versicherungstarife sind demzufolge eine unzulässige Diskriminierung und müssen bis zum Jahresende 2012 abgeschafft werden.

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2011 verbietet ab 2013 geschlechtsspezifische Tarife in der privaten Versicherungsbranche. Das betrifft Lebensversicherungen und private Krankenversicherungen, in denen bislang die Frauen schlechter als Männer gestellt waren. Begründet wurden diese Unterschiede zum einen mit der höheren Lebenserwartung von Frauen und zum anderen mit der Inanspruchnahme von mehr Gesundheitsleistungen im Vergleich zu männlichen Versicherten. Genau entgegengesetzt verhält es sich übrigens bisher in der Kfz-Versicherung. Hier mussten Männer oft höhere Beiträge entrichten.

Das wird sich ab 2013 ändern. Spätestens zum Dezember 2012 – Stichtag ist der 21. – müssen die Versicherungen sogenannte Unisex-Tarife anbieten und hierbei das Geschlecht des Versicherten für die Berechnung des Beitrages außer acht lassen. Das wirbelt die Versicherungstarife durcheinander und sorgt auch bei Verbrauchern für Unsicherheit. Inwieweit daraus für Frauen oder Männer Vor- oder Nachteile entstehen, wird sich erst zeigen. Es wird nicht ausgeschlossen, dass im Verlauf dieser Umstellungen nicht nur die Versicherungsbedingungen, sondern auch die Beiträge angeglichen werden.

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs bezieht sich übrigens nur auf Neuverträge. Für Bestandskunden ergeben sich keine Veränderungen.

Mögliche Auswirkungen auf die Kfz-Versicherung

Beim Abschluss eines Vertrages für die Autoversicherung spielt ab dem nächsten Jahr die Frage nach dem Geschlecht keine Rolle mehr. Heute zahlen Frauen in der Regel geringere Beiträge, weil sie statistisch gesehen weniger Unfälle und damit weniger Kosten verursachen als Männer. Wenn die Männer jetzt darauf hoffen, dass sie in Zukunft weniger bezahlen, unterliegen sie allerdings mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit einem Irrtum. Vielmehr wird das Urteil des Europäischen Gerichtshofs mit aller Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die Prämien für Männer höchstens gleich bleiben, insgesamt aber steigen.

Die Kfz-Versicherer müssen aus dem gesamten Beitragsvolumen die möglichen Schadensersatzansprüche finanzieren. Wenn geschlechtsspezifische Tarife keine Anwendung mehr finden dürfen, läuft es letzten Endes darauf hinaus, dass die Prämien für Frauen steigen werden.

Versicherungsexperten bezweifeln, den Nutzen der Unisex-Tarife, weil mit der einen Ungerechtigkeit, die abgeschafft wird, eine neue Ungerechtigkeit entsteht.


Unisex-Tarife in der PKV und die Auswirkungen für die Versicherten

Laut EU-Kommission darf das Geschlecht auch in der Krankenversicherung bei der Prämienberechnung nicht von Bedeutung sein. Allerdings spielen Faktoren wie der Gesundheitszustand und familiäre Vorbelastungen weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Prämienfindung. Dieser Punkt ist insbesondere für die Private Krankenversicherung von Bedeutung, weil hierdurch das Geschlecht des Antragstellers indirekt dennoch berücksichtigt wird.

Wie in der Kfz-Versicherung ist auch in der Privaten Krankenversicherung nicht damit zu rechnen, dass die Beiträge für das bisher benachteiligte Geschlecht sinken werden. Es ist eher zu erwarten, dass sich für alle Versicherten, mindestens aber die bisher „Bevorzugten“ die Prämien erhöhen werden.

Auswirkungen der Unisex-Tarife auf die private Rentenversicherung

Bisher bekommen Männer bei gleichem Alter und Beitrag eine höhere Rente als Frauen, weil Männer laut Statistik früher sterben und deswegen über eine kürzere Zeit Rente beziehen. In Zukunft muss die Rente bei Männern und Frauen gleich hoch sein.

Unser dringender Ratschlag: Männer, die sich mit dem Gedanken tragen, eine Rentenversicherung abzuschließen, sollten den Vertrag noch 2012 abschließen. Lassen Sie sich bitte kurzfristig beraten. Nur so können Sie Nachteile, die Ihnen bei einem Abschluss ab dem Jahr 2013 entstehen werden. weitestgehend abwenden.